Geschichte zum Bild


Die Geschichte hinter einem Bild ist oft vielschichtig. Erst der zweite Blick und etwas Hintergrundwissen lassen einen in ganze Welten eintauchen. Hier erfahren Sie mehr zu speziellen Fotos und ihren Geschichten.


Geschichte zum Bild: Werbepostkarten für Gewerbetreibende

Um 1900 beginnen Wädenswiler Gewerbetreibende, Fotografien für Werbezwecke zu nutzen. Sie lassen von den lokalen Fotogeschäften Postkarten in kleinen Auflagen herstellen – wobei jede Karte ein handgefertigter Abzug ist. Meist werden die GewerblerInnen oder die Belegschaft mit ihrem Werkzeug oder bei der Arbeit abgelichtet: Der Metzger Gubelmann posiert mit einem Rind, der Kupferschmid Brupacher in seiner Werkstatt, in der Schlosserei Theiler präsentieren die Arbeiter ihr Werkzeug.

Doch der Lebensmittelhändler Robert Bochsler hat eine besondere Idee: Er lässt seine sieben Töchter mit folgendem Text ablichten: «Wir bitten Sie freundlich, Ihre werten Aufträge unserem lb. (lieben) Papa zuweisen zu wollen».

Foto: A. Bruhin, Zürich


Geschichte zum Bild: Chilbi in vergangenen Zeiten

Die Chilbi ist auch in Wädenswil ein Brauch aus einer  Zeit vor der Reformation: An diesem Fest wird die Weihe einer Kirche jährlich gefeiert. Doch schon ab dem 15. Jahrhundert wandele sich die Kirchweih zum bunten Jahrmarkt- und Gauklerbetrieb. Mit der Reformation verliert der Brauch seine kirchliche Bedeutung – das Volksfest wird jedoch beibehalten. Die Einweihung der (reformierten) Kirche Ende August 1767 wird dennoch ausschlaggebend für das Datum der Chilbi.

Mitte des 19. Jahrhunderts betätigt man sich an der Chilbi im Büchsen- und Armbrustschiessen, Kegeln und Tanz, ab 1856 wird auch geschwungen. Die Schaubuden zeigen Akrobatik, Zauberkunst, Marionetten- und Kasperlitheater, Wachsfigurenkabinette und Tiernummern.

An der Chilbi findet auch die erste Filmvorführung in Wädenswil statt: Im Jahr 1897 – nicht einmal zwei Jahre nach den weltweit ersten Filmvorführungen in New York – zeigt der Schausteller Louis Praiss in seinem «Grand Théâtre des Varietés» einen Kinematographen. In den nächsten Jahren ist das Kino ein fester Bestandteil der Chilbi.

Auf Bild 1 ist der Chilbi-Rummel vor der Sust um 1900 zu sehen: Links der Cinématograph von Georges Hipleh-Walt, rechts das dampfbetriebene grosse Karussell.

Die Bilder 2 und 3 zeigen die Chilbi um ca. 1910: ein Fotografie-Zelt im Hintergrund und eine Bären-Nummer.

FotografInnen unbekannt



Geschichte zum Bild: Die «Spanische Grippe» 1918/19

In den Jahren 1918 und 1919 verbreitete sich die «Spanische Grippe» und kostete weltweit zwischen 20 und 50 Millionen Tote – mehr als im Ersten Weltkrieg starben. In der Schweiz erkrankten in zwei Wellen gegen 2 Millionen Menschen, fast 25ʼ000 Personen starben.

In Wädenswil tauchte die Grippe im Juli 1918 erstmals auf und löste eine erste Welle aus. Der Gemeinderat beschloss deshalb die Verlängerung der Sommerferien – und die Verschiebung der Chilbi in den September. Die zweite Welle traf Wädenswil noch härter. Im Oktober wurden die Schulen geschlossen, öffentliche Versammlungen und Musikproben verboten, ebenso Gottesdienste und Beerdigungen. Bei Nichteinhaltung wurde mit drei Monaten Gefängnis oder einer Busse bis zu 5000 Franken gedroht, was damals mehreren Jahreslöhnen entsprach.

Zum Foto: Als eine der Massnahmen richtete Wädenswil im Eidmattschulhaus vom Oktober 1918 bis im März 1919 ein Grippe-Notspital ein. Auf der Rückseite der gerahmten Fotografie ist zu erfahren, dass dort insgesamt 378 Patientinnen und Patienten behandelt wurden und es 9 Todesfälle zu beklagen gab, davon eine Person aus dem Pflegepersonal. Die Rekord-Belegung lag bei 76 Personen!

Zweites Bild: Auch 1918 wurden Schutzmasken als wirksame Massnahme verkauft.